Schon seit Jahren steht die kleine vorgelagerte Lofoten-Insel Væeøy mit Hund auf unserer Liste für den Norwegen-Besuch. Vor allem wegen des Fährplans hatte es aber bisher noch nicht geklappt auf die Insel zu fahren. Bisher! Denn in diesem Sommer hat es endlich gepasst. Von den Schwierigkeiten bezüglich der Fähre und darüber, warum es sich trotzdem sehr sehr lohnt Værøy aufzusuchen, möchten wir euch heute berichten.

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Die Anfahrt: Værøy und die Krux mit der Fähre

Es gibt genau drei Wege, auf denen ihr auf die Lofoten-Insel Værøy gelangen könnt: Entweder habt ihr ein eigenes Boot – das ist wahrscheinlich die unkomplizierteste und komfortabelste Variante übers Meer zu kommen. Allerdings dürfte das auf die wenigsten Urlauber mit Hund zutreffen, deswegen bleiben nur die beiden anderen Möglichkeiten.

Eine davon: Ein Helikopterflug! Das Ganze kostet je nach Datum und Auslastung etwa 100 Euro. Problem: Man kann den Campingbus so schlecht mitnehmen 😉 Ob Hunde mitfliegen dürfen, ist unklar – das haben wir angefragt, aber noch keine Info erhalten. Bleibt also nur die Fähre. Es gibt eine Verbindung von Bodø, die über Røst und Værøy nach Moskenes führt. Wenn man die große Runde von Bodø fährt, dauert das allerdings fünfeinhalb Stunden. Aus der Gegenrichtung, also von Moskenes aus, sind es nur etwa 75 Minuten.

Anfährt über das Meer: Blick auf die Berge von Værøy.

Anfährt über das Meer: Blick auf die Berge von Værøy.

 

Da wir die Insel auf unserem kleinen Roadtrip als Zwischenstation nutzen wollten, mussten wir beide Strecken fahren. Aber Ceeley fünfeinhalb Stunden im Auto lassen? Hm, davon waren wir nicht ganz so begeistert. Denn an Deck der Torghatten-Fähren sind Hunde offiziell nicht gestattet. Unsere Rettung war ein genauer Blick auf den Fahrplan der Fähre.

Wenn man sich einmal durch das unübersichtliche Gewirr aus Ortsnamen und Wochentagen gewühlt hat, dann fällt auf, dass es sowohl im Sommer als auch im Winter einige wenige Direktverbindungen zwischen Bodø und Værøy gibt. Durch den Wegfall der Station auf Røst verkürzt sich die Fahrzeit auf 3 Stunden und 15 Minuten. Das ist vergleichbar mit der Überfahrt von Hirtshals nach Kristiansand – und Ceeley macht die immer sehr gut mit.

Offiziell verboten, inoffiziell alle Hunde an Deck

Wir hatten also Glück, doch selbst wenn ihr keine Direktverbindung findet: Lasst euch nicht entmutigen. Abgesehen von der offiziellen Ansage bezüglich Hunde an Deck haben wir auf der Überfahrt nämlich auch zahlreiche Hundehalter gesehen, die ihre Tiere mit an Bord genommen haben und einfach auf dem Außendeck waren. In den Innenbereich dürfen Vierbeiner offiziell ebenfalls nicht. Es war aber so windig und ungemütlich auf unserer Fahrt, dass am Ende doch alle Hunde und ihre Besitzer drin saßen.

Übrigens: Wenn ihr den Fährplan nicht durchblickt, macht euch keine Sorgen. Über das Ticketbuchungssystem könnt ihr euch für ein jeweiliges Datum ebenfalls alle Abfahrten anzeigen lassen. Die Überfahrt kostet mit Auto bis 6 Meter Länge und einem zusätzlichen Passagier etwa 750 Kronen, also rund 75 Euro (Stand 08/2021). Wenn ihr mit der Ferjekort fahrt, spart ihr noch mal die Hälfte! Alle Infos dazu findet ihr auf dem Nordlandblog.

Willkommensgruß am Fähranleger auf Værøy.

Willkommensgruß am Fähranleger auf Værøy.

Warum sich die Fahrt nach Værøy mit Hund trotzdem lohnt

Trotz der Fährüberfahrt, die durch die offene See durchaus sehr schaukelig sein kann, legen wir euch Vaeroy mit Hund sehr sehr ans Herz. Denn die etwas kompliziertere Anreise hält große Touristenströme fern. Außerdem findet ihr hier ein kleines Wanderparadies vor, dass die Gemeinde der Lunde-Insel wunderschön und liebevoll gestaltet hat. Überall stehen Schilder, die auf Wanderwege hinweisen – eher eine Seltenheit auf den Lofoten. Und sogar einen als barrierefrei markierten Wanderweg gibt es.

Nur etwa 700 Einwohner leben auf Værøy, viele davon leben von der Fischerei. Dadurch erklärt sich auch der Name der Insel. Øy ist das norwegische Wort für Insel, während vær soviel wie „Fischerdorf“ heißt. Das ist allerdings nicht die einzige mögliche Bedeutung. Auch „Wetter“ und „Brutplatz für Seevögel“ gehören zu den möglichen Übersetzungen und auch diese passen perfekt auf das 18,64 km² kleine Eiland.

Wo die Berge ihre eigenen Wolken produzieren

Als wir am Morgen mit der Fähre in Sørland, der größten Siedlung der Insel, ankamen, war es zwar windig, aber der Himmel war blau und die Sonne schien. Wir nutzten das und machten uns auf zum Håen, einem der bekanntesten Berge und Aussichtspunkte auf Værøy. Auf dem Weg nach oben, der größtenteils über eine alte Fahrstraße hinauf zu einer Nato-Radarstation führt, hat man bereits einen tollen Blick auf Sørland  und den südlichen Teil der Insel. 

Blick vom Gipfel des Håen auf die Måstad-Halbinsel.

Oben angekommen bietet sich schließlich ein wunderbarer Ausblick auf die Bergkette im Westen, die ein bisschen aussieht wie Værøys kleiner Drachenschwanz. Allerdings geht das nur, wenn sich keine Wolken am Gipfel festsetzen. Als wir am nächsten Tag ins kleine Fischerdorf Måstad gewandert sind, haben wir den Håen von unten gesehen – seinen Gipfel allerdings nicht. Der war tief in einer Wolke verhangen.

Ganz ähnlich verhielt es sich mit dem Nordlandsnupen, dem höchsten Berg der Insel, den wir eigentlich erwandern wollten. Allerdings war er während unseres gesamten Aufenthalts damit beschäftigt, auf seiner Nordseite eine große Wolke zu produzieren, die dann auf der Südseite wieder am Hang „herunterfloss“. Ein sehr spannendes Schauspiel, selbst wenn es letztendlich dafür sorgte, dass wir die Tour nicht machen konnten. Man hätte oben ohnehin nicht viel gesehen.

Camping auf einer verlassenen Landebahn

Einen unverstellten Blick auf das Wolkenspektakel hatten wir immerhin von unserem Übernachtungsplatz aus. Eine kleine Straße führt auf der Ostseite der Insel vorbei an kleinen Badestränden mit weißem Sand und türkisblauem Meer dahinter. Wer bis zum Ende fährt kommt erst am ehemaligen Flughafen vorbei und endet schließlich in Nordlandshagen an einem kleinen Strand, an dem auch Hunde kein Badeverbot haben – Ceeley jedenfalls hatte dort sehr viel Spaß. Dort gibt es auch eine Toilette und die offizielle Möglichkeit von der Kommune aus zu zelten. Einen Campingplatz sucht man auf Værøy nämlich vergebens. Früher gab es einmal einen, mittlerweile ist der aber geschlossen.

Noch immer sind alte Markierungen des Flughafens zu sehen.

Noch immer sind alte Markierungen des Flughafens zu sehen. Dieser wurde 1990 nach nur vier Jahren Betrieb geschlossen. Heute kann man dort mit dem Wohnmobil oder im Zelt übernachten.

Übernachten kann man auch sehr gut auf der Landebahn des ehemaligen Flugplatzes. Dieser wurde 1990 nach nur vier Jahren Betrieb geschlossen. Das Wetter, vor allem der Wind, machte immer wieder Probleme und führte letztendlich zu einem Absturz mit schlimmen Folgen

Heute erinnert außer der Landebahn und einigen Resten von Abfertigungshäuschen nicht mehr viel an den Flugverkehr. 800 Meter lang ist die Bahn und komplett frei befahrbar. Man sieht sogar noch einige alte Markierungen auf dem Asphalt. Rundherum ist Wiese und man einen unverstellten Blick auf das Meer und die kleine unbewohnte, vorgelagerte Insel Mosken, die zur Kommune dazugehört.

Sonnenaufgang in Nordland

Sonnenaufgang in Nordland auf Værøy mit Blick auf die Insel Mosken.

Hinter einem erhebt sich dafür die Bergkette der Lunde-Insel. Vor so einer Kulisse zu nächtigen ist schon ein echtes Erlebnis – und für Ceeley gab es unglaublich viel Platz zum Herumtoben und Herumtollen auf der Landebahn. Denn mit uns waren gerade einmal eine handvoll anderer Camper hier.

Nicht ganz verlassenes Dorf und eine eigene Hunderasse

In Nordlandshagen startet auch die Wanderung ins alte, halb verlassene Fischerdorf Måstad. Dorthin gelangt man nur per Boot oder eben zu Fuß. Eine Anbindung ans Straßen- oder Stromnetz gibt es nicht. Der Versuch beides zu schaffen ist immer wieder an Geröllabgängen gescheitert, so bleibt nur eine etwa dreistündige Wanderung, um nach Måstad zu gelangen. Auf der Halbinsel gilt in vielen Bereichen Leinenpflicht zum Vogelschutz. Denn mit etwas Glück könnt ihr dort Papageientaucher beoachten.

Der Gipfel des Håenin Wolken gehüllt, darunter der Strand Puinn Sand.

Der Gipfel des Håenin Wolken gehüllt, darunter der Strand Puinn Sand.

Die Vögel lebten einmal zu Tausenden auf diesem Teil der Insel – und wurden von den Einheimischen mit speziell dafür gezüchteten Hunden gejagt. Der Lundehund ist mittlerweile eine von der FCI anerkannte Hunderasse, die um 1940 fast ausgestorben wäre. Mittlerweile gibt es nicht mehr so viele Papageientaucher auf der Insel und auch die Hunde wurden irgendwann durch die Jagd mit Netzen abgelöst. Heute gibt es aber einen gesicherten Bestand – und alle lebenden Tiere haben ihren Ursprung in dem Fischerdorf auf Værøy.

Das ist übrigens gar nicht so verlassen, auch wenn der letzte dauerhafte Bewohner den Ort schon vor Jahren verlassen hat. Die Nachkommen der Einwohner nutzen die Häuser aber teilweise noch als Sommerhäuser – seid also nicht zu erschrocken, wenn ihr doch jemandem begegnet.

Altes Haus im Dorf Måstad.

Altes Haus im Dorf Måstad.

Auf einen Blick: Camping mit Hund auf dem Værøy Flyplass

  • Lage: Traumhaft! Auf einer alten Flughafen-Landebahn zwischen dem Meer und den Bergen der Insel mit Blick auf das kleine Eiland Mosken.
  • Hundefreundlichkeit: Es gibt viel Platz, viele Wandermöglichkeiten, Strände in der Nähe.
  • Preis: Sowohl Flugplatz als auch der Strandbereich in Nordlandshagen sind kostenlos nutzbar. Die Kommune freut sich aber über freiwillige Spenden.
  • Besonderheiten: In Nordlandshagen gibt es auch die Möglichkeit, Frischwasser aufzufüllen.
  • Weiterempfehlung? Auf jeden Fall, hier lässt es sich gut länger als eine Nacht aushalten.