Wahrscheinlich geht es uns wie vielen anderen Camping- und Reiselustigen derzeit: Wir würden so gerne das schöne Wetter nutzen und wieder losfahren, um die Welt zu erkunden. Und das nicht nur, weil wir jetzt einen neuen kleinen Mitfahrer haben, dem wir all die tollen Orte gerne zeigen möchten, die es gibt. Aber es hilft alles nichts, die Gesundheit geht vor und so nutzen wir die Zeit einfach, um gedanklich wieder nach Schottland zurückzukehren – und euch nehmen wir natürlich wieder mit! Mittlerweile haben wir gut  die Hälfte geschafft, ein bisschen müsst ihr unser Schwärmen über die wunderschönen Landschaften allerdings noch ertragen 😉

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Das ist aber gar nicht schlimm, denn heute nehmen wir euch an einen wirklich spärlich besuchten Ort mit, der gleichzeitig eine unserer kleinen Highlight-Perlen auf der Reise war. Nach gut vier Tagen Aufenthalt hieß es für uns bye bye, Isle of Skye. Gewunken haben wir vom Wasser aus, denn es galt wieder: Ab auf die Fähre. Unser Ziel: Lewis & Harris, eine Doppel-Insel der Äußeren Hebriden, die etwas vorgelagert sind, aber noch zu Schottland gehören. Dorthin verirren sich bisher nur wenige Touristen, was sehr angenehm ist, wenn man vorher gefühlt der halben Welt auf der Isle of Skye begegnet ist.

Auch Ceeley durfte die Aussicht auf der Fähre Richtung Lewis & Harris genießen.

Hund an Deck? Ja, Bitte!

Für Hundehalter ist die Überfahrt übrigens ein Traum. Denn: Auf der Fähre muss der Hund weder im Auto bleiben noch in irgendeine Box. Tatsächlich gibt es an Deck einen Bereich, in den Haustiere mitdürfen. Ceeley fand das natürlich super, weil sie so mit einem halben Dutzend anderer Hunde um die Wette wedeln konnte. Übrigens gilt die Erlaubnis für Innen und Außen – Frauchen konnte also wie gewohnt an Deck sitzen und Inseln anstarren, um die Seekrankheit im Zaum zu halten.

Die Überfahrt von Uig auf Skye nach Tarbert, der wohl bekanntesten Stadt auf dem Harris-Teil der Insel, dauert gut zwei Stunden und kostete für zwei Erwachsene und den Bus 45 Pfund (Stand 08/2019). Hunde fahren kostenlos – noch ein Pluspunkt für die Fährgesellschaft. Reservieren mussten wir nicht, unter der Woche bekommt man noch gut am Abend vorher ein Ticket. Das sieht am Wochenende schon anders aus. Aber dazu später mehr.

Nur wir und das raue Land: Dumbo auf der Golden Road.

Umweg mit Aussicht: Die Golden Road

Wer sich als Tourist nach Tarbert verirrt, der hat vor allem ein Ziel: Die Gin-Brennerei. Hier solltet ihr für eine Führung in jedem Fall reservieren, spontan etwas zu bekommen ist schwierig. Wir hatten kein Glück, aber das war gar nicht schlimm. Stattdessen sind wir eine der – wie wir finden – schönsten Straßen Schottlands gefahren. Kurz hinter Tarbert müsst ihr dazu einfach links abbiegen und der Golden Road folgen.

Die einspurige Strecke führt in Richtung Süden und verzaubert mit rauer, uriger Landschaft. Auch wenn die Golden Road nach 7 Meilen auf Höhe des Loch Mhic Neacail offiziell endet, lohnt es sich, die Küstenline auf dieser Straße bis in den Süden der Insel weiter zu verfolgen. In dieser Landschaft wirkt es ein bisschen, als hätte jemand einen monströsen Hammer auf einen Berg niedersausen lassen und so hunderte Felsen in der Landschaft verteilt. Dazu kommen Moos, Heide und Gras und das schaurige schottische Regenwetter (von dem wir natürlich wieder viel mitgenommen haben) – perfekte Stimmung! Dazu hat man die Straße nahezu für sich alleine. Uns sind auf der Fahrt vielleicht fünf andere Autos begegnet.

Traumstrand Lyskentyre

Übrigens müsst ihr keine Angst haben, dass euch super viel Zeit durch die Fahrt verloren geht. Die Entfernungen auf der Insel sind sehr überschaubar. Wir haben viele Fotopausen gemacht, Ceeley mal flitzen lassen und haben trotzdem nur gut eineinhalb bis zwei Stunden bis zum Südende der Insel gebraucht. Von da aus führte uns die Straße weiter an der Westküste entlang wieder gen Norden. Und auch hier lohnt sich allein das Fahren – vor allem, wenn ihr um eine Ecke biegt und sich der Blick auf den Seilebost Beach öffnet. Ein riesiger Sandstrand, vor dem sich selbst bei düsterem Wetter türkisblaues Wasser sammelt.

An den Strand selbst zu kommen ist etwas schwierig, wir haben keinen wirklich guten Strandaufgang gefunden. Das machte aber nichts, weil wir bei den lieben Kollegen vom VanDogBlog ein paar Tage zuvor durch Zufall einen Beitrag über Lewis & Harris gelesen hatten – und wussten, dass ein paar Kilometer weiter der Strand von Luskentyre wartet. Nach dem Überqueren einer Brücke biegt man in eine kleine Seitenstraße ein. Am Ende wartet ein kleiner Strandparkplatz. Auto abstellen und los gehts.

Wandern erlaubt!

Harris lässt sich übrigens auch erwandern. Es gibt zahlreiche Wege, die durch die hügeligen Landschaften führen. So kommt man vielleicht in den Genuss, einen der Steinadler zu beobachten, die auf Harris leben. Einige Pfade sind ausgeschildert. Eine Übersicht über schöne Wege könnt ihr aber auch bei Walkhighlands finden. Dort gib es auch Tourenvorschläge für den Lewis-Teil der Insel.

Keine Menschenseele war am Nachmittag am Luskentyre Beach zu sehen.

Das Schöne: Hunde müssen hier nicht zwingend an die Leine und das, obwohl Schafe in den Dünen leben. Voraussetzung für den Hundezutritt ist Rücksichtnahme: Vierbeiner müssen unter Kontrolle bleiben und die Tiere in Ruhe lassen. Wer das ohne Leine kann, braucht also keine und spätestens am Strand sind die Schafe ohnehin verschwunden.

Übrigens auch die Menschen, denn obwohl es Nachmittag war und es nicht regnete – was auf unserer Reise durch Schottland quasi einem sonnigen Tag gleichkam – hatten wir den feinen Sand und die Aussicht auf Meer und Berge nahezu für uns. Die handvoll anderer Menschen, die sich noch am Luskentyre Beach herumtrieb, verteilte sich auf dem langen und breiten Sandabschnitt, sodass Ceeley in Ruhe Bekanntschaft mit dem Meer machen konnte (und allem anderen, was am Strand herumlag und Fräulein Hund natürlich super fand. Algenzeug zum Beispiel).

Wer braucht Spielzeug, wenn es am Strand tolle Sachen gibt? Ceeley fand es am Luskentyre Beach super.

Übernachtung in den Dünen

Luskentyre hat übrigens noch einen Vorteil für Camper: Wer frei stehen will, kann das ganz legal an einigen Stellen entlang der Straße zum Luskentyre Beach. Die Stellplätze sind vom West Harris Trust zur Verfügung gestellt und bieten einen perfekten Ausblick auf das Meer. Eine Übernachtung kostet hier 5 Pfund (Stand 04/2020), mehr Infos könnt ihr auch auf der Webseite des Trusts finden.

Da wir eine Dusche brauchten und es fürs Schwimmen im Meer doch etwas kalt war, haben wir die Spots leider nicht nutzen können, sondern auf dem Horgabost Campsite übernachtet. Der Campingplatz in Seilebost besteht aus Grasplätzen direkt am Strand von Seilebost. Hier gibt es auch einen eigenen Strandzugang, der sehr hübsch ist und sich durchaus für eine gemütliche Hunderunde eignet.

Camping mitten in den Dünen – und Hund am Strand.

Eine Insel, zwei Welten

Da uns das Wetter am nächsten Tag noch weniger hold war als davor schon – sprich: Es goss aus Kübeln – haben wir uns schweren Herzens dagegen entschieden noch länger auf dem Harris-Teil der Insel zu bleiben und sind weiter nach Norden auf den Lewis-Teil gefahren. Erkennen kann man das übrigens sehr gut an der Landschaft. Während Harris zerklüftet wirkt mit seinen vielen felsigen Hügeln, kommt man sich in Lewis vor wie in einem flachen Moor.

Unser nächstes Ziel ragte entsprechend auffällig aus der Landschaft. Aber auch ohne diesen Umstand wären die Standing Stones in Callanish eine imposante Erscheinung gewesen. Die Steinkreise sind mehrere tausend Jahre alt, wozu genau sie errichtet wurden ist nicht ganz klar. Es soll insgesamt über 20 Einzelsteine und Stein-Anordnungen geben, die mit römischen Zahlen durchnummeriert sind. Zwölf Orte sind sichtbar bzw. zu besichtigen, wobei die größten und imposantesten Steine in Callanish I zu finden sind. Dort gibt es auch ein Besucherzentrum.

Auch Hunde dürfen hier schnuppern: Die Callanish Standing Stones.

Auch Hunde dürfen hier schnuppern: Die Callanish Standing Stones.

Der Besuch kostet keinen Eintritt, es gibt zahlreiche Infotafeln, die über die Steine informieren und das allerbeste: Hunde dürfen mit. Keine Zugangsbeschränkung, nicht einmal am besucherwirksamen Callanish I. So durfte Ceeley sich auch in Ruhe die großen Felsen ansehen – wir fanden das sehr schön und sehr spannend.

Bei gutem Wetter, wenn nicht alle Wiesen geflutet sind, kann man übrigens auch einen kleinen Spaziergang machen. Vom Besucherzentrum aus gibt es einen Rundweg zu den Kreisen II und III. Mit Hund sicherlich eine schöne Gelegenheit, um die Beine zu vertreten. Da rund um die Formationen gerne auch Schafe grasen, solltet ihr hier allerdings etwas Rücksicht nehmen.

Keine Empfehlung: Dun Carloway

Auf der Fahrt über Lewis hatten wir uns einige Ziele ausgeguckt, die man bei einem kurzen Stopp im Regen gut mitnehmen kann. Sehr enttäuschend fanden wir leider Dun Carloway, eins der best erhaltensten Brochs in ganz Schottland. Die erste Enttäuschung erwartete uns schon am Parkplatz des Steinturmes: Kein Zutritt für Hunde. Puh, okay. Na gut. Warum genau, erschloss sich uns auf dem Weg nach oben nicht so richtig. Immerhin: Der Hügel, auf dem die Turmruinen stehen, war dicht mit wunderschön blühender Heide bewachsen. Das konnte aber auch die zweite Enttäuschung nicht verhindern. Die Ruine kann nämlich nicht besichtigt werden (Stand 08/2019). Sie ist für Besucher geschlossen. Spart euch den Weg also lieber und verbringt an anderer Stelle vielleicht mehr Zeit.

Gas-Odyssee in Stornoway

Obwohl noch einige andere schöne Orte auf unserer Liste standen, die wir hätten besuchen können – die Uig Bay etwa oder Mangersta Beach – war die Insel-Hauptstadt Stornoway unser nächstes Ziel. Wenn ihr etwas erledigen oder besorgen wollt, könnt ihr das am besten hier tun. Außer sonntags, denn im Gegensatz zum übrigen Großbritannien gibt es auf der Hebriden-Insel eine Sonntagsruhe. Und außer ihr braucht eine neue Dose Campinggaz CV470.

Unsere Herdplatten in Dumbo laufen nicht über eine große Gasflasche, sondern über die kleinen blauen Dosen, die man aus dem Campingbedarf hierzulande kennt. Auf Skye wirkten die noch voll, wir hatten in England und Schottland bereits einige in Tankstellen und Campingplatz-Rezeptionen gesehen und sind deshalb tiefenentspannt auf Lewis und Harris gefahren. Dann ging uns jedoch das Gas aus. Wir machten uns also in Stornoway, nachdem wir uns auf dem Campingplatz “Laxdale Holiday Park” ein Plätzchen gesichert hatten, auf die Suche.

 

Um es mal vorweg zu nehmen: Unser geplantes Sightseeing haben wir unfreiwillig aus dem Bus heraus gemacht. Denn es startete eine Odyssee, die am Campingplatz begann, über Baumärkte, Sportgeschäfte und sogar eine Fischerei am Hafen führte. Ein Drama in sieben Akten, das am Ende mit einer Dose mit Schraub- statt Klemmanschluss endete, die nicht ganz passte – aber um das Essen am Abend zu sichern, mussten wir nehmen, was wir kriegen konnten. Zu allem Überfluss stellten wir dann auch noch fest, dass ein Platz auf der Fähre von Lewis & Harris zum Festland nach Ullapool, den wir für den nächsten Tag buchen wollte, nicht mehr verfügbar war.

Dazu ein anderes Mal mehr. Der Vollständigkeit halber aber empfehlen wir schon mal, sich den süßen kleinen Hafen von Stornoway anzusehen. Hoch über der Stadt thront das Lews Castle. Das Schloss hat nicht nur ein kostenfrei zugängliches Museum, sondern auch einen schönen dazugehörigen Park. Das Café des Schlosses soll sehr hundefreundlich sein, das konnten wir aber leider nicht mehr testen. Auch den Besuch des Lewis Loom Center, in dem man sich ansehen kann, wie der berühmte Harris-Tweed hergestellt wird, mussten wir leider verschieben.

Aber: Wir kommen definitiv wieder. Denn so viel sei zum Schluss gesagt: Vor allem Harris hat mit seiner Landschaft unser Herz erobert. Einen Besuch hier können wir jedem Hundebesitzer nur wärmstens ans Herz legen. Selbst wenn das Wetter rau und wechselhaft ist.

Auf einen Blick: Camping mit Hund auf dem Horgabost Campsite

  • Lage: An der Westküste von Harris, am Strand von Seilebost, mitten in den Dünen.
  • Hundefreundlichkeit: Für Hunde ist der Platz super. Es gibt viel Wiese und der Strand schließt direkt an den Campingplatz an.
  • Preis: Das wissen wir leider nicht mehr genau, aber es dürften ca. 10 Pfund pro Nacht gewesen sein.
  • Besonderheiten: Die Lage ist wirklich eine Besonderheit. Sie ermöglicht einen tollen Ausblick und schöne Ausflüge, bei schlechtem Wetter steht man allerdings auch wenig geschützt. Die Sanitäranlagen sind sehr einfach gehalten.
  • Weiterempfehlung? Für eine Übernachtung und einen Strandspaziergang am Morgen allemal.

Auf einen Blick: Camping mit Hund im Laxdale Holiday Park

  • Lage: Am Stadtrand von Stornoway. Bis zum Zentrum sind es nur einige Minuten mit dem Auto.
  • Hundefreundlichkeit: Wir hatten nicht viel Zeit die Umgebung zu erkunden. Auf dem Platz selbst waren allerdings einige Hundebesitzer und auch an der Rezeption wurden wir freundlich empfangen. Am Eingang gibt es eine kleine Wiese für kurze Gassigänge.
  • Preis: 24 Pfund 
  • Besonderheiten: Wer vor oder nach der Fährüberfahrt einen Stellplatz sucht, wird hier gut fündig. Der Platz ist klein, hat aber Charme.
  • Weiterempfehlung? Ja, wir haben uns hier sehr wohlgefühlt – und würden hier wieder einkehren, wenn wir alle verpassten Pläne nachholen kommen 😉