Nach dem Brexit: Mit Hund nach Großbritannien

Gepostet Von Bine am Mrz 25, 2019 | 2 Kommentare


Großbritannien war was die Einreise mit Hund angeht, bis vor ein paar Jahren ja immer ein schwieriges Pflaster. Zwischendurch war alles etwas besser. Der Brexit aber macht es in diesem Jahr fast so kompliziert wie noch nie, eine Reise zu planen.

Wer wie wir 2019 mit Hund nach England, Schottland, Wales oder Nordirland in den (Camping-)Urlaub will, der kommt nicht umhin sich die Frage zu stellen: Wie wird die Einreise mit Hund nach dem EU-Austritt Großbritanniens aussehen? Kehren wir wieder zur Tollwut-Titer-Bestimmung zurück? Oder reichen weiterhin Mikrochip, Impfung und Wurmkur? Wir haben uns ein bisschen schlau gemacht – und halten euch hier auf dem Laufenden, was Urlaub mit Hund und Brexit angeht.

Im Londoner Greenwich-Park lassen viele Hundehalter ihre Tiere auf den großen Parkwiesen laufen.

Wie ist der aktuelle Stand beim Brexit?

Leider ist es kompliziert. Zwei Jahre hatte Großbritannien Zeit, sich über die Art und Weise des Austritts aus der EU Gedanken zu machen. Man hat nicht so richtig das Gefühl, dass dabei viel rausgekommen ist. Die entscheidende Frage, die derzeit im Raum steht: Gibt es ein Abkommen mit der EU – oder wird der Brexit hart ausfallen, also ohne Abkommen?

Diese Frage ist vor allem für Reisende interessant, die mit Hund unterwegs sind. Ein Brexit mit Abkommen würde die Einreise um ein Vielfaches einfacher gestalten – denn die Chance, dass die aktuell bestehenden Einreisebestimmungen dann so übernommen werden, ist groß. Was aber, wenn der Austritt Großbritanniens hart ausfällt?

Eingezäunt zur Renovierung: Der Clock Tower (umgangssprachlich auch BigBen) in London.
Eingezäunt zur Renovierung: Der Clock Tower (umgangssprachlich auch BigBen) in London.

Brexit ohne Abkommen – die möglichen Szenarien für Urlauber mit Hund

Szenario 1: Alles bleibt, wie es ist

Es wäre zu schön, wenn auch bei einem Brexit ohne Abkommen das aktuell gültige “Pet Travel Scheme” beibehalten würde. Denn das hieße: Der Hund braucht einen EU-Heimtierausweis, einen Mikrochip, eine gültige Tollwutimpfung und eine Behandlung gegen Bandwürmer. Dieses Szenario ist nur bei einem Austritt mit Abkommen wahrscheinlich oder wenn die EU Großbritannien auch nach einem ungeregelten Austritt als “gelistetes Land” anerkennt – und umgekehrt.

Szenario 2: Alles wird komplizierter

Der eine oder andere mag sich erinnern: vor 2012 war die Einreise mit Hund nach England mit viel Vorbereitungszeit verbunden. Das lag vor allem daran, dass mit einem Bluttest der Tollwut-Titer bestimmt werden musste. Diese Untersuchung muss mindestens 30 Tage nach der Impfung und mindestens 3 Monate vor der Einreise durchgeführt werden. Die Blutabnahme erfolgt beim Tierarzt, die Untersuchung schließlich bei einem zertifizierten Labor. Die Rückkehr zu diesem Verfahren wäre ein bisschen das Worst-Case-Szenarion für alle Hundehalter, die auf die Insel möchten.


Welches Szenario ist wahrscheinlich?

Diese Frage lässt sich derzeit leider nicht beantworten. Sollte es zu einem ungeregelten Brexit kommen, gilt es viele Dinge zu klären. Momentan weiß niemand genau, wie die Einreisebestimmungen für Hunde sowohl seitens Großbritanniens als auch seitens der EU dann genau ausfallen werden. Immerhin: Es gibt Hinweise, die sich auf der Webseite des britischen Parlaments, aber auch beim Auswärtigen Amt finden lassen.

Sollte es noch zu einer Einigung kommen, werden sich für Reisende voraussichtlich bis zum 31. Dezember 2020 keine Änderungen ergeben.
Für den Fall eines harten Brexits hat die britische Regierung zugesichert, bis zum 31. Dezember 2020 Personalausweise von EU-Bürgern weiterhin als ausreichend für Reisen anzuerkennen. […]
Für Reisende könnten sich z.B. im Zollwesen weitere Änderungen ergeben, die derzeit noch nicht feststehen. 

(– Reisehinweise des Auswärtiges Amts für Großbritannien und Nordirland [Link])

Wer allein auf die Insel reist, für den wird sich laut Auswärtigem Amt voraussichtlich erst einmal wenig ändern. Zollbestimmungen dagegen könnten sich ändern – und damit auch die Einreise mit Hund. Ein wenig konkreter wird es auf der Homepage der britischen Regierung. Dort heißt es:

Travelling to Europe after Brexit
If the UK leaves the EU without a deal, after 12 April 2019 the rules for travelling to EU countries with your pet will change. You should start the process at least 4 months before you travel.
The rules for passports, driving, EHIC cards and more may also change. Check if you need to act now so you can travel as planned.

Die Empfehlung hier lautet klar: Wer plant von Großbritannien aus mit Hund in die EU zu reisen, sollte sich frühzeitig vorbereiten – mindestens vier Monate vor Reisebeginn. Das klingt sehr nach der Tollwut-Titer-Bestimmung. Aber – ein kleiner Lichtblick bietet sich an anderer Stelle. Denn dort heißt es:

There will be no change to the current requirements for pets entering the UK from the EU after 12 April.

Diese Aussage findet sich zwar in einem Abschnitt über die Rückkehr von Hunden nach Großbritannien, grundsätzliche klingt das aber schon eher danach, als würde sich zumindest für die Einreise mit Hund nach Großbritannien nicht viel ändern.

Für den Falle eines ungeregelten Austritts hat die EU diese Kriterien zur Einreise für Haustiere festgelegt.

Nachtrag 25. März: Seitens der EU gibt es nun weitestgehend Klarheit darüber, wie die Einreisebestimmungen für Haustiere nach einem No-Deal-Brexit aussehen würden. Die schlechte Nachricht: In der Auflistung steht auch der Tollwut-Antikörper-Test. Sollte es also zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens kommen, wird die Einreise wieder so kompliziert wie vor der Vereinfachung 2012. Die Reisevorbereitungen würden dann also wieder Monate in Anspruch nehmen. Das komplette Dokument der EU könnt ihr euch hier noch einmal ansehen.

Frühes Aufstehen lohnt sich: Die Tower Bridge in London bei Sonnenaufgang.

Unsere Empfehlung: Wer reisen will, sollte auf alles vorbereitet sein

Ganz sicher können Hundehalter dennoch erst sein, wenn der Austritt vollzogen ist. Wenn ihr in diesem Jahr einen Urlaub mit Hund in Großbritannien plant, dann würden wir empfehlen, den Tollwut-Bluttest machen zu lassen. So seid ihr auf der sicheren Seite und müsst die geplante Reise nicht noch kurzfristig absagen. Bei uns geht das leider nicht: Unsere Reise ist – eigentlich – im August geplant. Und da wir wieder einen Welpen bei uns aufnehmen, können wir mit den Planungen nicht früher anfangen. Deshalb drücken wir einfach die Daumen, dass die Hängepartie um den Austritt bald ein Ende hat – und wir im Sommer ganz entspannt mit Hund und Bus über die Insel düsen können.

Weiterführende Links zum Thema


Das ist euch alles noch nicht genug Information? Wenn ihr euch gerne selbst noch ein wenig zum Reisen mit Hund nach Großbritannien und Brexit schlau machen wollt, haben wir hier eine Reihe nützlicher Links für euch zusammengestellt: 

• Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts 

Mit Hund nach Großbritannien: Schritt für Schritt-Anleitung für die Einreise (auf Englisch)

Reisen mit Haustier nach Großbrtiannien nach dem Brexit (auf Englisch) 

• Checkliste für die Einreise 

Fragen und Antworten zum Brexit von der Bundesregierung

• Regelungen für Reisen mit Hunden, Katzen und Frettchen innerhalb der EU 

Regelungen für die Einreise mit Hunden, Katzen und Frettchen in die EU

2 Kommentare

  1. Hallo Ihr beiden,
    vielen Dank für den informativen Beitrag. Mein Freund und ich wollen demnächst auch mal nach England mit Hund und haben uns noch gar nicht so viele Gedanken über die Reise gemacht. Vor allem was alles beachtet werden muss. Jetzt bin ich definitiv schlauer und merke, dass wir gar nicht mehr so viel Zeit haben…
    Ich bin mal gespannt, wie das alles so wird und ob sich bis dahin noch viel ändern wird…

    Habt ihr dennoch gute Ziele und Ort, die schön für Hunde sind? Denn schließlich soll ja auch unser liebstes Familienmitglied was schönes erleben. 🙂

    Liebe Grüße
    Marie

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    • Hi Marie und dickes Sorry für die verspätete Antwort! Wir waren tatsächlich selbst noch gar nicht mit Hund auf der Insel. Aber eigentlich sind die Briten überall sehr hundefreundlich, sie sind ja fast genauso hundeverrückt wie wir. Die englische Südküste ist auf jeden Fall sehr schön, und auch London kann mit Hund gut gehen – wenn man Rücksicht auf seinen Vierbeiner nimmt und der in großen Städten keine Probleme habt. Also eine ganz konkrete Empfehlung ist da wirklich schwierig. Hier wird aber zum Beispiel Cornwall empfohlen – können wir natürlich nicht bestätigen, wir waren noch nicht da. Aber vielleicht ist das was: https://www.visitbritain.com/de/de/urlaub-mit-hund-in-cornwall#I2G29d1iPWHw2CzI.97
      Und noch ein dicker Tipp von uns: Wenn ihr auf der Suche nach Gassi-Runden oder Pausen-Plätzen für die Fahrt seid, dann schaut auf jeden Fall hier vorbei: https://www.drivingwithdogs.co.uk/ Da kann man zielgenau suchen, das ist echt praktisch. Auf jeden Fall ganz viel Freude schon mal. Lasst uns doch wissen, für welches Ziel ihr euch dann entschieden habt 🙂
      Liebe Grüße
      Bine

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