Die meisten Menschen – machen wir uns nichts vor – verreisen am liebsten im Sommer. Vor allem, wenn es ums Camping mit Hund geht, ist es dann meist warm, das Wetter ist (je nach Urlaubsregion – Grüße gehen raus an Schottland) beständig und überhaupt hat der Sommer einfach den besten Ruf, wenn es ums Urlaub machen geht. Dabei hat auch der Herbst mit Hund als Reisezeit einige Vorzüge. Wir haben Ideen für Reiseziele im Oktober und November für euch gesammelt – und sagen euch, warum sich gerade hier der Urlaub nach dem Sommer sehr lohnt. 

Ganz allgemein machen besonders drei Punkte das Verreisen im Herbst zu einer ganz besonderen Sache. Die Farben der Natur sind in der vermeintlich regnerischen Jahreszeit einfach unschlagbar. Nichts gegen sommerliches, frisches und lebendiges Blattgrün, aber habt ihr schon einmal auf einem norwegischen Fjell übernachtet und die Pflanzenwelt um euch herum war in die unglaublichsten Rot- und Orangetöne getaucht?

Farbexplosion im Herbst: Ceeley auf dem Saltfjell in Norwegen.

Farbexplosion im Herbst: Ceeley auf dem Saltfjell in Norwegen.

Noch ein Vorteil: Weil viele Menschen ihren Sommerurlaub zum Reisen nutzen, sind selbst beliebte Orte im Oktober und November oft weniger gut besucht. Und wo im Sommer am Strand oft Leinenpflicht oder sogar Hundeverbot herrscht, heißt es im Herbst: Leine los! 

Flitzen lassen im Wattenmeer: St. Peter-Ording

Strand im Herbst? Ja! Wir sind sehr große Fans von Strandurlaub in den „ungemütlichen“ Jahreszeiten. Wir waren schon auf Rügen im Winter und eine Woche Nichtstun im Ferienhäuschen am dänischen Strand, bevor man die Familie um einen kleinen Menschen erweitert, können wir sehr wärmstens empfehlen.

St. Peter-Ording ist auch im Frühjahr sehr hüsch, aber im Oktober ist der Erholungsfaktor noch mal ein bisschen schöner. Der Ort ist super hundefreundlich. Vierbeiner dürfen fast überall am Strand mitgenommen werden. Ausnahme bilden nur einige Strandkorbbereiche, es gibt aber auch Strandkörbe, die man mit Hund mieten kann. Außerdem findet ihr am Strand zwei große Auslaufflächen – das Pilotprojekt läuft noch und so können Vierbeiner im Nationalpark Wattenmeer nach Lust und Laune flitzen. Das ist sonst nicht erlaubt. Mehr Infos zum Camping mit Hund in „SPO“ haben wir hier für euch aufgeschrieben.

Häuser auf Stelzen: 2017 waren wir noch mit unserer Jodie vor dem bekannten Pfahlbauten von Sankt Peter-Ording

Herbstlich im Harz

Ein Geheimtipp ist der Harz ja schon lange nicht mehr – nicht einmal im Winter. Wenn hier am gefühlt einzigen Ort in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Schnee liegt, dann pilgern viele Menschen aus beiden Bundesländern zum Winterwandern oder Rodeln hierher. Im Oberharz ist dann kaum ein Parkplatz zu bekommen – hierhin solltet ihr also eher nicht fahren.

Es gibt aber auch im Harz noch Plätze, die außerhalb der Sommermonate eher kleine Geheimtipps sind. Wenn ihr an einem sonnigen Novembertag von Ilsenburg zum Scharfenstein wandert, seid ihr so gut wie alleine. Dabei ist der Weg unglaublich schön – und nur eine der Möglichkeiten, die ihr hier habt. Nicht nur, dass Ilsenburg eine wirklich zauberhaft schöne kleine Stadt ist. Der Heinrich-Heine-Weg, der vom Ort aus durch das Ilsetal bis zum Brocken führt, ist einer unserer liebsten Harz-Wanderwege. Wer nicht gleich bis zum Brocken wandern will, dem empfehlen wir wärmstens die Tour zu den Ilsefällen. Die ist konditionstechnisch gut machbar – und einfach zauberhaft schön zu jeder Jahreszeit.

Die Ilse begleitet Wanderer vor allem auf den ersten Kilometern des Heinrich-Heine-Wegs.

„Ich hab das Schönste auf der Welt geseh’n: Paris im Herbst“

Ob man mit Hund nach Paris muss, ist sicherlich diskutabel. Fakt ist: Im Sommer ist es in der Stadt der Liebe voller als voll. Wer den wartenden Massen am Eiffelturm entgehen möchte, der reist besser außerhalb der Hochsaison. Im Oktober haben wir 2015 auf unserer ersten Reise mit unserem Van Dumbo ganz unkompliziert ein Plätzchen auf einem zentralen Campingplatz ergattern können – und waren trotz des Kurzaufenthalts ganz angetan. Allerdings: Auch wenn ihr euch beim Reisen gerne treiben lasst, solltet ihr in einen Paris-Trip etwas mehr Planung stecken. So sind Hunde, die mehr als 45 Zentimeter Schulterhöhe haben, nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln erlaubt. Und auch in einigen Parks sind Vierbeiner nicht gern gesehen. In anderen wie dem Bois du Bologne habt ihr keine Probleme beim Spazieren gehen, manche Gärten, wie der Parc Georges Brassens, bieten extra Wege für Hunde. Eine Übersicht über hundefreundliche Parks und Gärten findet ihr auf dieser Webseite.

Happy in Paris: Jodie und wir 2015 vorm Eiffelturm. 

Bootsfahrt im Venedig des Nordens

Wir freuen uns immer sehr, wenn euch unsere Beiträge bei der Reiseplanung weiterhelfen. Zu unserem Ausflug nach Brügge haben wir kürzlich eine ganz liebe und positive Rückmeldung bekommen. In Belgien gibt es sicherlich einige Ziele, die man auch im Herbst in Angriff nehmen kann – Brügge gehört in jedem Fall dazu. Die Stadt ist unglaublich schön und stadterfahrene Hunde können im Herbst beim Sightseeing gut mit dabei sein. Sie sind auch auf den Bootsfahrten durch die kleinen Grachten erlaubt – auch wenn es gerade für große Hunde dort durchaus eng werden kann. Erwartet aber nicht, dass ihr die Stadt trotz herbstlichen Wetters für euch allein habt. Selbst im Oktober wird es an den zentralen Plätzen noch ordentlich voll!

Eine der bekanntesten Ecken Brügges: Bine und Ceeley am Rozenhoedkaai.

Eine der bekanntesten Ecken Brügges: Bine und Ceeley am Rozenhoedkaai.

Wo das Wetter besser ist als sein Ruf: London

Wusstet ihr, dass in London im November die durchschnittliche Niederschlagsmenge bei 57mm liegt? Und dass es in Rom im gleichen Monat stattliche 128mm sind? Wenn ihr also wegen des Wetters lieber nach Italien statt nach Großbritannien wollt, fällt das Regen-Argument schon mal weg. Zugegeben, die Zahl der Regentage ist in London mit 14 etwas höher als in der italienischen Hauptstadt (da sind es acht im Durchschnitt), aber aus eigener Erfahrung können wir sagen: London im Herbst lohnt sich, ist nicht so verregnet wie man immer hört und vor allem so viel weniger voll als im Sommer!

Man steht nicht stundenlang an Sehenswürdigkeiten, bekommt keine Platzangst an der Tower Bridge und kann Hund trotzdem wunderbar in den Parks spazieren führen. Uns hat es Greenwich Park besonders angetan, warum das so ist könnt ihr in unserem Erfahrungsbericht zum Besuch mit Hund in London nachlesen. Übrigens könnt ihr euren Vierbeiner in einige bekannte Sehenswürdigkeiten auch mitnehmen – zum Beispiel in die Tower Bridge!

Schönste Farben im November: Sonnenaufgang über der Tower Bridge.

Schönste Farben im November: Sonnenaufgang über der Tower Bridge.

Herbst in tausend Farben: Nordnorwegen

Es ist so ein bisschen der Zusatztipp für alle, die im Herbst noch etwas Größeres unternehmen wollen. Denn mit Hund braucht der Weg nach Nordnorwegen Zeit. Mit dem Auto kommt man nicht so gut voran wie in Deutschland. Für 500 Kilometer braucht man dann schon mal einen ganzen Tag – und die Aussicht auf Gefilde, die noch kälter sind als unsere, behagt vielen auch nicht. Wir möchten aber eine kleine Lanze brechen für den Herbst im Norden und eine kleine Anekdote von unserer Elternzeitreise erzählen.

Da überquerten wir auf dem Hinweg Mitte August sowohl das Dovrefjell als auch das Saltfjell – beide in wunderbaren Grünuancen getaucht. Auf dem Rückweg im September hatte sich das Bild komplett gewandelt. Innerhalb weniger Wochen war eine regelrechte Farbbombe explodiert und aus dem grün ein Meer aus überwältigenden Herbstfarben geworden. Es war so wunderschön!

Unglaubliche Farben: Der Herbst auf dem Dovrefjell.

Unglaubliche Farben: Der Herbst auf dem Dovrefjell.

Zusatzbonus: Auf den Lofoten etwa ist es zu dieser Jahreszeit nicht mehr so irre voll wie zum Beispiel im Juli, wenn auch alle Norweger ihren Sommerurlaub nehmen. Das bedeutet mehr Auswahl bei Stellplätzen, weniger Trubel und mehr Einsamkeit auf den Wanderwegen. Zweiter Zusatzbonus: Ab Ende September habt ihr die Chance Polarlichter zu sehen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, lasst euch dieses Schauspiel nicht entgehen. Wir versprechen euch: Auch wenn Polarlichter mit dem Auge nicht so quietschgrün sind, wie sie auf Fotos wirken, werdet ihr euren Blick kaum vom Himmel abwenden können. Das Gefühl unter den tanzenden Lichtern zu stehen, ist einzigartig, atemberaubend und macht unglaublich süchtig. Da vergisst man sogar, dass es draußen eventuell doch etwas kälter ist als zu Hause. 

Lofoten 2020: Über unserem Nugget Strolch tanzten die Polarlichter.

Lofoten 2020: Über unserem Nugget Strolch tanzten die Polarlichter.

Es gibt daneben natürlich noch zahlreiche weitere lohnende Ziele für den Herbst. Schwarzwald, Ostseeküste, Dänemark, Sächsische Schweiz oder einfach der heimische Wald direkt vor der Tür – denn auch da lässt sich super Herbsterholung finden, wenn Füße und Pfoten gemeinsam durch das bunte Laub rascheln. Welche Ziele im Herbst sind euch die liebsten? Lasst uns doch in den Kommentaren bzw. bei Facebook und Instagram sammeln – damit die dritte Jahreszeit auch als schöne Reisezeit mit Hund viel viel beliebter wird!